Dämmert Westumgehung am Horizont?

Mehr Verkehr schafft Fakten für neue Trasse um die Weststadt

Neue Straßen durch die Landschaft wünscht sich niemand, die eingeschlagene Wohnungsbauentwicklung ohne gemeindeübergreifendes Verkehrskonzept steuert jedoch geradewegs darauf zu.

 Der Sachzwang Wohnraumnot hat die Stadt Lüneburg veranlasst, im Stadtgebiet mehrere Flächen für Baugebiete zu bestimmen. So auch in der Weststadt das Baugebiet „Am Wienebütteler Weg“. Genau zu diesem Bereich wurde schon vor über 20 Jahren in einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten* festgestellt, dass dort von weiterer Bebauung abgesehen werden sollte. Als Gründe wurden neben dem Stadtklima auch die bereits zu dem Zeitpunkt bis an die Grenze der Belastbarkeit betroffenen Straßenzüge in Richtung Innenstadt genannt.

Zwar konnte zwischenzeitlich eine Entlastung durch die Fertigstellung der A39 in Richtung Hamburg erreicht werden. Die Entwicklungen der letzten Jahre und die geplanten Veränderungen der nächsten Jahre führen jedoch dazu, dass die Spitzenwerte von damals mittelfristig wieder erreicht und wahrscheinlich sogar übertroffen werden dürften.

Das Verkehrsaufkommen hat sich im Bereich Wienebütteler Weg und Brockwinkler Weg (Ortseingangsstraßen) schon in den letzten Jahren schleichend verstärkt, ohne dass die Stadt darauf reagiert hat. Entstanden sind eine Kita, das Neubaugebiet Brockwinkler Weg und das Mehrgenerationen-Wohnprojekt LeNa. Die Nutzung des Sportparks Kreideberg wurde intensiviert, die Entwicklung der PKL zieht mehr Verkehr nach sich und der Brockwinkler Weg wird zunehmend als Schleichweg genutzt.

Durch das geplante Neubaugebiet in Vögelsen (Süderfeld 3 bis 6) werden laut einem Gutachten* 680 Fahrzeuge zusätzlich über die K21 / Am Wienebütteler Weg fahren. Reppenstedt will von 7.500 auf 10.000 Einwohner wachsen. Bei geplanten 260 Wohneinheiten im Baugebiet „Am Wienebütteler Weg“ sind mit weiteren 1500 Fahrzeugbewegungen täglich zu rechnen.

„Die Stadt hat keine erkennbaren Konzepte für nachhaltige Verkehrsplanung. Absprachen mit den Nachbargemeinden fehlen scheinbar. Es ist jetzt schon kaum noch vorstellbar, wie es mit dem Straßenverkehr in der Stadt aussieht, wenn die bereits in Umsetzung befindlichen Baugebiete fertiggestellt sind“, kritisiert Beate Friedrich von der Initiative Brockwinkel die derzeitigen Planungen.

Es ist also absehbar, dass im Nordwesten der Stadt wieder ein Sachzwang entsteht: Der wachsende Verkehr brauche neue Straßen. Dies kann dann auch zum Sachzwang Westrandstraße führen. Das geplante Neubaugebiet „Am Wienebütteler Weg“ würde so absehbar nicht nur die direkten Nachbar*innen, sondern alle an der denkbaren Trasse lebenden und Erholung suchenden Lüneburger*innen betreffen.

„Offensichtlich ist, dass Siedlungsprojekte konventioneller Art immer neue Verkehrsbelastungen schaffen. So muss schon bei der Planung von neuen Wohngebieten der durch sie entstehende Verkehr mitbedacht werden. Eine autoarme Bebauung beispielsweise durch weitere Wohnprojekte mit Car-Sharing, ein verbessertes ÖPNV-Angebot, sogenanntes Quartiersparken, Elektromobilität und Radverkehr auf sicheren Routen ist möglich und angesichts der angespannten Verkehrssituation dringend geboten“, betont Markus Lauenroth von der Initiative Brockwinkel. „Es kann nur gebaut werden, wenn im Stadtteil die Nutzung des eigenen Kraftfahrzeuges großteils die Ausnahme wird“, spitzt Stefan Pröhl die Forderungen der Anwohner*innen zu.

Der Informationsabend zum Auftakt der Bürgerbeteiligung am Mittwoch, 30.11.2016, ab 18.00 Uhr, im Gesellschaftshaus der PKL (Haus 36), Am Wienebütteler Weg 1 ist eine erste Möglichkeit, die bevorstehenden Entwicklungen in und um die Weststadt mitzubestimmen.“ Dazu lädt die Stadt Lüneburg alle Anwohner*innen ein und wir alle sollten uns einbringen“, ruft Johannes Plotzki, Initiative Brockwinkel, auf.

*Die Gutachten liegen der Initiative Brockwinkel vor.

Aus: Pressemitteilung der Initiative Brockwinkel vom 22.11.2016