Brief an die Ratsmitglieder am 6.12.2017

Sehr geehrtes Mitglied des Lüneburger Rates,

im Herbst 2016 haben mehr als 300 Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Lüneburger Nord-Westen u.a. die folgenden Forderungen der Initiative Brockwinkel mit ihrer Unterschrift unterstützt:

  • Keine neue Bebauung ohne Klimagutachten,
  • Einbeziehung der umliegenden Wohnstraßen in jegliche Bauplanung,
  • Vorlage eines Verkehrskonzeptes für das „Gebiet Brockwinkel“ mit dem Ziel der Vermeidung von Autoverkehr,
  • Berücksichtigung der Ausbaupläne der Nachbargemeinden Reppenstedt und Vögelsen bei der Lenkung des Verkehrs in und durch die Weststadt,
  • Einrichtung einer überwachten 30-Zone im gesamten Brockwinkler Weg und Wienebütteler Weg ab bzw. bis zur MTV-Sporthalle,
  • Schutz von kleinen und großen Radfahrer*innen durch sichere Radwege im Wohngebiet und in die Stadt,
  • Verbesserung der ÖPNV-Anbindung: Mehr (z.B. halbstündliche) Busverbindungen mit leiser Technologie und Ausbau der Verbindungen am Wochenende und in den Abendstunden,
  • Abstimmung der Varianten eines Verkehrskonzeptes mit den Anwohner*innen.

Das Klimagutachten wird demnächst vorliegen. Die anderen Forderungen sehen wir jedoch noch nicht erfüllt. Im Gegenteil: Das nun von der Verwaltung vorgelegte Arbeitsprogramm zur Umsetzung der Ergebnisse der durchgeführten Bürger*innenbeteiligung ignoriert den dringenden Bedarf einer Verkehrsberuhigung im ganzen Stadtteil.

Die fehlende Aufnahmefähigkeit des Lüneburger Nordwestens für die geplanten neuen Verkehrsströme findet in den Planungsvorlagen keinerlei Berücksichtigung. So ist vorprogrammiert, dass der ungebremste Verkehrszuwachs demnächst durch alle Wohnstraßen des Kreidebergs durchsickert. Daher möchten wir vor der anstehenden Abstimmung zum Baugebiet Am Wienebütteler Weg noch einmal unsere Forderungen an eine zeitgemäße Verkehrsplanung in Erinnerung rufen.

Die Initiative Brockwinkel betont, dass die – auch im Rahmen der Bürger*innenbeteiligung –aufgezeigten Probleme sich nur durch eine ganzheitliche, großräumige, langfristige und damit weitsichtige Stadt- und Verkehrsplanung lösen lassen. Dazu gehören auch Gespräche zu Siedlungs- und Verkehrsfragen zwischen der Stadt Lüneburg und den umliegenden Gemeinden.

Bereits jetzt bestehen immense Verkehrsprobleme. Ein sicheres Fortbewegen ist für Radfahrer*innen zu Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen (Berufs- und Schulverkehr) kaum möglich. Zu den besonderen Gefahren zählen hohe Geschwindigkeiten am Wienebütteler Weg kurz vor dem Ortsrand, das Schneiden der Einfahrt in den Brockwinkler Weg, die für alle Verkehrsteilnehmer*innen kritische Kurve Am Mönchsgarten und gewagte Überholmanöver, die die schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen zum Ausweichen zwingen.

Für uns ist eine Bebauung des Stadtrandes nach wie vor nur eine Option, wenn ein ganzheitliches und zukunftsfähiges Stadtentwicklungskonzept (das auch den Bereich Mobilität/Verkehr bedenkt) vorgelegt und abgestimmt wurde.

Die jüngste Bauplanung verschlimmert ein längst bekanntes Problem und erschwert die Rahmenbedingungen für zukunftsfähige Lösungen. Auch der Gedanke aus der Bürger*innenbeteiligung, ein Wohnquartier zu schaffen, welches mit dem bestehenden Stadtteil verbunden wird, ist völlig verloren gegangen. Es wird eine neue weitere „Wohn-Insel“ geschaffen. Prof. Dr. Pez stellt fest: „Im Planentwurf ist nicht zu erkennen, inwiefern es eine Anbindung für Fußgänger und Radfahrer Richtung Süden (Brockwinkler Weg, Klinikgelände) geben soll. Wichtige Anliegen aus der Bürgerbeteiligung sind deshalb in der Planunterlage nicht sichtbar.“

Aufgabe der Politik muss es sein, die Entwicklung nachhaltiger Konzepte anzustoßen, bevor es keine Gestaltungsfreiräume mehr gibt.

Sozialer Wohnungsbau und zukunftsfähige Stadt- und Verkehrsplanung sind keine Gegensätze: Ein ganzheitliches und zukunftsfähiges Stadtentwicklungskonzept ist auch zur Erreichung der notwendigen sozialen Kriterien notwendig, damit langfristig sichergestellt ist, dass in Lüneburg auch für sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist und dies kein Lippenbekenntnis zur schnellen Realisierung des Baugebietes Am Wienebütteler Weg bleibt.

Eine vorschnelle Realisierung des Baugebietes Am Wienebütteler Weg nach dem momentan angedachten Entwurf wird nicht nur Reibungspunkte im formellen Verfahren produzieren, sondern eine zukunftsfähige soziale, ökologische und ökonomische Entwicklung der Region Lüneburg verhindern. Wir bitten Sie darum, diese Bedenken zu berücksichtigen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Beate Friedrich

Markus Lauenroth

Stefan Pröhl