Leserinnenbrief in der LZ vom 13.12.2017

In der Diskussion um das Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg zeigt sich wieder einmal, dass Verkehrs- und Stadtplanung zusammengedacht werden müssen, und zwar langfristig und ortsübergreifend, die Hansestadt Lüneburg müsste sich viel enger mit den Gemeinden im Landkreis abstimmen als bisher. Da ist aktuell ein großes Defizit.

Eine Westumgehung würde wertvolle Natur-, Kultur- und Erholungsflächen zerstören und durchschneiden. Zudem sorgen neue Autostraßen vielleicht anfänglich für eine Verkehrsentlastung, langfristig ist die Folge aber stets mehr Autoverkehr – und davon hat Lüneburg schon genug. Im betreffenden Gebiet ist beispielsweise schon jetzt ein sicheres Fortbewegen für Radfahrer*innen zu Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen (Berufs- und Schulverkehr) kaum möglich. Es besteht schon jetzt dringender Handlungsbedarf. Eine Verkehrsberuhigung im neu entstehenden Baugebiet reicht dabei nicht aus. Es wird ein wirklich nachhaltiges Verkehrskonzept gebraucht, das großräumig auf Verkehrsvermeidung, Verkehrsberuhigung auf den bestehenden Straßen, den Ausbau von ÖPNV und Radverkehrsnetzen und in Bezug auf neue Baugebiete auf autoarmes und verkehrspolitisch sinnvolles Bauen setzt (beispielsweise durch Car-Sharing, eine gute ÖPNV-Anbindung, Quartiersparken, Elektromobilität und Radverkehr auf sicheren Routen). Es kann nur neu gebaut werden, wenn die Nutzung des eigenen PKWs die Ausnahme bleibt und vielmehr auf andere Formen der Mobilität gesetzt wird. Dann kann Lüneburg auch in Zukunft ohne die Westumgehung auskommen, die politisch ohnehin nicht durchsetzbar wäre.

Zudem darf das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, kein Lippenbekenntnis zur schnellen Realisierung des Baugebietes Am Wienebütteler Weg sein. Es braucht ein ganzheitliches und zukunftsfähiges Stadtentwicklungskonzept, damit wirklich langfristig sichergestellt ist, dass in Lüneburg auch für sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist. Das ist eine Aufgabe von Städten und Gemeinden! Sozialer Wohnungsbau und zukunftsfähige Stadt- und Verkehrsplanung sind keine Gegensätze. In Lüneburg wird viel gebaut, aber soziale Aspekte werden viel zu wenig berücksichtigt. Durch neue Baugebiete dürfen nicht schleichend Sachzwänge geschaffen werden – weder in Bezug auf immer weiter steigende Mieten noch in Bezug auf neue Autostraßen.

Beate Friedrich, Lüneburg