Stellungnahme zum Entwurf des Bebauungsplans Nr. 174 „Am Wienebütteler Weg“

Initiative Brockwinkel begrüßt innovative Ansätze bei der Planung des Baugebiets „Am Wienebütteler Weg“ und fordert konsequente weitere Schritte zur Reduzierung von Verkehrsbelastungen

Bei den demnächst ausliegenden überarbeiteten Entwürfen für das Baugebiet „Am Wienebütteler Weg“ ist vieles umgesetzt, was die Initiative Brockwinkel und weitere Anwohner*innen aus der Nachbarschaft gefordert hatten: Die innere Erschließung des Gebiets schafft Anreize für ein autoreduziertes Wohnen und das Mobilsein ohne eigenes Auto, also zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie mit Carsharing, wird gefördert. Die vorliegenden Unterlagen weisen allerdings selbst auf das bestehende Defizit im Hinblick auf die Verkehrssituation außerhalb des Bebauungsplangebietes hin und kündigen an, Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu prüfen. Bereits enthaltene Ansätze sind die Geschwindigkeitsreduktion auf der K21 sowie die Verkehrsberuhigung im Brockwinkler Weg.

Die Initiative Brockwinkel erkennt den erklärten Willen der Stadt, nachhaltige Mobilität zu fördern, fordert nun aber von der Stadt, zu zeigen, dass sie es ernst meint, gerade im Hinblick auf den ganzen Stadtteil, aber auch die ganze Stadt. In den vorliegenden Unterlagen wird angekündigt, dass neben der Berücksichtigung sozialer Kriterien bei der Vergabe der Grundstücke besonders auf die Förderung einer nachhaltigen Mobilität geachtet werden soll. So seien autoarme Baukonzepte zu bevorzugen. Planungsziel muss sein, dass am Ende tatsächlich möglichst wenige zusätzliche Autos von dort durch die angrenzenden Straßen fahren. Die Stadt steht jetzt in der Pflicht, die Spielräume, die sie schafft, auch zu nutzen, also z.B. beim Stellplatzschlüssel dafür zu sorgen, dass wirklich diejenigen bei der Vergabe bevorzugt werden, die möglichst wenige Autos pro Haushalt nutzen möchten.

Das von der Stadt angeführte Verkehrsgutachten spricht von verträglichen Auswirkungen. Was auf dem Papier verträglich sein mag, ist in der Praxis jedoch auch ohne das neue Baugebiet oft schon katastrophal. Bereits heute sind verschiedene Knotenpunkte in Richtung Stadtring zu Stoßzeiten heillos überlastet, denkt man an die verstopfte Kreuzung am Ochtmisser Kirchsteig bei der Herderschule in den Morgenstunden oder die Kreuzung Vor dem Neuen Tore bei Rewe. Es braucht in den umliegenden Straßen Überquerungshilfen und sichere Verbindungen für all diejenigen, die zukünftig ihre täglichen Wege zu Schule, Arbeit, Kindergarten und Einkaufen zu Fuß und mit dem Rad zurücklegen werden.

Statt der bisher geplanten 260 Wohneinnheiten sollen nun 400 Wohnungen entstehen. Rechnete die Initiative Brockwinkel bei der ursprünglichen Planung mit mindestens 500 zusätzlichen PKW-Fahrten täglich ausgehend vom Baugebiet, liegt diese Zahl nun deutlich höher. Selbst bei einer verkehrsberuhigten inneren Erschließung wird weiterer Autoverkehr entstehen, der ins Umfeld des Baugebiets verlagert wird.

Schon bei Bekanntwerden der Planungen im Sommer 2016 machte die Initiative Brockwinkel deutlich, dass ein solches Baugebiet auf der grünen Wiese nicht ohne ein entsprechendes ganzheitliches und weiträumiges Verkehrskonzept realisiert werden kann. Ein solches liegt bis heute nicht vor, obwohl von einigen im Rat vertretenden Parteien ebenfalls als Voraussetzung für weitere Bauplanungen im Nordwesten der Stadt gefordert. Hier muss die Hansestadt Lüneburg dringend nachsteuern, beispielsweise mit dem angekündigten Stadtentwicklungskonzept. Wichtig ist aus Sicht der Initative Brockwinkel auch, nicht durch die neuen Baumaßnahmen weitere Autoachsen zu schaffen. Der Kreisverkehr in Höhe des Ebelingwegs lädt dazu ein, hier eine neue Autoverbindung in Richtung Kreideberg zu schaffen. Solche neuen Autostraßen lehnt die Initiative Brockwinkel konsequent ab, denn sie würden langfristig nicht für Entlastung sorgen, sondern mehr Autoverkehr nach sich ziehen.

Die Initiative Brockwinkel bittet alle Nachbar*innen, sich die überarbeiteten Unterlagen kritisch anzuschauen und Änderungsvorschläge zu formulieren. Die Unterlagen werden nach Auslegungsbeschluss von der Stadtverwaltung für einen Monat der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.